Mittwoch, 7. Mai 2025, später Nachmittag.
Angeführt von Frau Sarnowski lassen wir, ein Teil des Leistungskurses Latein, winziger Teil der Touristen hier, und ein ungemein geringerer Teil der Weltbevölkerung, uns nach dem Flug, dem Marsch zu Hotel 1 (eigentlich gebucht, aber überbucht) und Taxifahrt zu Hotel 2 (eigentlich nicht gebucht, aber wir sind ja erstens in Italien und zweitens flexibel) ehrfürchtig durch Rom gleiten – über die Spanische Treppe zur Ara Pacis, von dort zum Petersplatz. Eile ist geboten, denn gegen 19.00 Uhr soll die erste Entscheidung des Konklaves zur Papstwahl in Gestalt einer schwarzen oder weißen Rauchwolke stattfinden… Nach zwei Stunden bangen Wartens sehen wir dann schwarzen Rauch aufsteigen. Ein wenig enttäuscht sind wir schon, haben wir doch auf weißen Rauch gehofft – auch wenn wir dann noch länger hätten warten müssen, bis der neue Papst auf dem Balkon erschienen wäre… Wir beschließen den Abend in einer netten Trattoria mit Pizza, Pinsa und Pasta, wie es sich für ordentliche Touristen gehört.
Donnerstag, 8. Mai 2025.
Vormittags absolvieren wir ein rasantes Besichtigungsprogramm: Santa Maria Maggiore mit dem Grab des jüngst verstorbenen Papst Franziskus, weitere Kirchen wie Santa Prassede und San Pietro in Vincoli, am Kolosseum und Forum vorbei hinauf zum Nationaldenkmal für Vittorio Emanuele II, auch Schreibmaschine oder Gebiss von Rom genannt; für die Strapazen werden wir mit einem wunderbaren Blick über Rom belohnt. Das alles erzeugt Hunger, und der Einkauf im Supermarkt vom Bahnhof Termini hätte uns beinahe den Zug nach Cassino verpassen lassen…
In Cassino, dem Ort der Unterbringung, warten wir zusammen mit Lateinschülerinnen und Lateinschülern aus 13 Nationen, insgesamt über 300 Teilnehmenden, auf die Busse, die uns zu unserem Hotel bringen sollen. Man könnte uns für ganz normale Schülerinnen und Schüler halten – gäbe es da nicht mindestens ein Lateinwörterbuch in einer jeden Tasche, die dem Ganzen einen leicht nerdigen Touch verleiht... Uns alle vereint die Teilnahme am Certamen Ciceronianum Arpinas, dem alljährlich stattfindenden Lateinwettbewerb zu Ehren Ciceros in Arpino, seinem Geburtsort in der Provinz Latium, umgeben von Bergen. Es ist trotzdem überraschend, wie selbstverständlich hier das Interesse an der lateinischen Sprache ist, ohne dass wir alle aussehen wie kleine Einsteins.
Viele der Teilnehmenden kommen aus Italien. Zum Beispiel Giulia und Anastasia: Die Kindergartenfreundinnen verfolgen begeistert den Livestream der Papsternennung von Leo XIV, die wir um einen Tag verpasst haben… Auch wenn sie nicht gläubig sind: Für sie ist der Papst der „Papa“ der Nation.
Besonders beeindruckend ist die Vorleistung der Teilnehmenden aus Belgien: Sie mussten sich erst einmal bei einem landesweiten Lateinwettbewerb für Arpino qualifizieren!
Der Tag findet seinen krönenden Abschluss in einem hotelinternen Drei-Gänge-Menü.
Freitag, der 9. Mai 2025
Plötzlich ist es schon sieben Uhr. Das Certamen ruft, und wir fahren mit fünf Reisebussen auf einer serpentinenreichen Straße eine knappe Stunde lang dorthin. Das Bergdorf Arpino, das zwei Statuen von Cicero (und eine des berühmten römischen Feldherrn Marius, ebenfalls gebürtiger Arpinate) besitzt, ist geschmückt mit Cicero-Postern, Banderolen mit Cicero-Sprüchen und Girlanden. Wir werden nach einer Foto-Session zum Austragungsort des Certamen gebracht; dort ist alles perfekt vorbereitet: Schilder mit Namenslisten, Pfeile zu beschrifteten Räumen und Toiletten, auf jedem Tisch etwas zu essen und zu trinken: Wir nehmen an etwas Großem teil, das wird jetzt ganz deutlich. Der für das diesjährige Certamen ausgewählte Cicero-Text stammt aus „De amicitia“ – er handelt davon, wie wichtig die Freundschaft für den Zusammenhalt unter den Menschen ist. Wir haben fünf Stunden Zeit. Es wird hart; unsere Gehirnzellen brodeln, während wir von umherschleichenden Fotografen abgelichtet werden. Als wir anschließend ins Freie treten, sind wir wie in Trance.
Zum Glück gibt es eine üppige Mahlzeit zur Stärkung. Später fahren wir zur Akropolis von Arpino und sehen eine Freilichtaufführung von Shakespeares „Sturm“, die von lokalen Schülerinnen und Schülern zu unseren Ehren aufgeführt wird. Zurück im Hotel von Cassino gibt es wieder ein Drei-Gänge-Menü, damit wir nicht vom Fleisch fallen.
Samstag, der 10. Mai 2025
Vormittags geht es wieder nach Arpino; dort werden wir von Schülerinnen und Schülern des Tullianums, des Gymnasiums von Arpino, durch den Ort geführt. Natürlich werden wir wieder reichlich verpflegt. Nachmittags geht es zum Kloster Monte Cassino, in dem der Abt extra für uns eine lateinische Rede hält. Abends findet in Apino ein Straßenfest statt – eines der Highlights der Fahrt! Für die einen von uns bietet es die Möglichkeit, mit jungen Leuten aus anderen Schulen und Ländern einen fröhlichen Abend mit tollen Gesprächen zu verbringen, für die anderen von uns heißt es tanzen! Die emotionalen italienischen Songs lassen sowohl die Einheimischen als auch uns die Welt vergessen, auch wenn wir die Liedtexte nicht verstehen; die Welle der Begeisterung trägt uns mit. Erschöpft, satt und glücklich sinken wir spät in der Nacht ins Bett.
Sonntag, der 11. Mai 2025
Preisverleihung in Arpino! Die Presse ist da, die Sonne knallt auf den Marktplatz, die Spannung steigt…. Siegerin wird eine Italienerin aus Sizilien. Dass zwei unserer deutschen Mitstreiter vom Wilhelmsgymnasium München einen Ehrenpreis und einen siebten Platz davontrugen, war mehr, als wir zu wagen gehofft hatten. Ein Bravo an die Bayern!
Nach der Preisverleihung werden wir nach Rom gebracht; dort lassen wir nach dem Einchecken im diesmal richtigen Hotel den Tag mit einem Bummel zum Trevi-Brunnen und zum Pantheon ausklingen, wo die einen von uns ein leckeres Eis, die anderen einen Espresso in Roms bester Kaffeebar, der „Tazza d´Oro“, genießen. Nach einem kurzen Besuch in den Kirchen Santa Maria sopra Minerva und San Ignazio mit seiner beeindruckenden Scheinkuppel beenden wir den Abend in einer Pizzeria in der Nähe des Hotels.
Montag, der 12. Mai 2025
Mittags geht der Flieger nach Frankfurt; zum krönenden Abschluss noch kurz in die Metro zur Kirche San Paolo fuori le Mure!
Sonnengebräunt und erschöpft entsteigen wir dem Flugzeug.
Morgen wieder Schule? Undenkbar….
Wir danken Cicero (Über die Freundschaft!), Arpino (die tolle Organisation) und Italien (Gastlichkeit und viel Sonne) und nicht zuletzt dem großzügigen Freundeskreis der Diltheyschule dafür, dass uns ein einzigartiges Erlebnis beschert wurde!
Mia Ried und Claudia Sarnowski





