Der Hessische Landtag-Hautnah

Am Donnerstag, den 23. Mai 2013, hieß es für uns – die Klasse 8b – früher aufstehen, denn wir besuchten mit unseren PoWi-Lehrer Herr Jung den Hessischen Landtag. Dort wollten wir einiges über die Themen Frauenquote, G8/G9, die Wahlen für Bundes- und Landtag im Herbst sowie vieles mehr erfahren.

Wir hatten dafür im Unterricht immer wieder neue Fragen gesammelt, die jetzt Politiker und andere Experten aus dem Landtag beantworten sollten.

Um warum hieß es früher aufstehen? Es sollte zwar erst um 8 Uhr richtig losgehen, aber schon um 7:30 Uhr mussten wir an der Sicherheitsschleuse sein. Dort ging es zu wie am Flughafen – und natürlich hatten doch wieder einige eine Schere oder ein Deo dabei. Aber Sicherheit hat oberste Priorität im Landtag.

Danach stellte sich Herr Sprenger vor, der Mitarbeiter im Landtag ist. Er begleitete uns zu den einzelnen Stationen der Erkundung und führte uns alles erklärend durch die einzelnen Räume der zum Landtag gehörenden Gebäude. Neben dem Plenarsaal, also dem Saal wo die Abgeordneten debattieren, gehören noch das alte Stadtschloss mit seinen Anbauten und einige weitere Gebäudeteile dazu. Also eigentlich fast der ganze Block, an dem das Stadtschloss steht. Herr Sprenger informierte uns nochmal über die Verhaltensregeln – man darf etwa nicht allein im Gebäude rumlaufen oder von der Besuchertribüne in den Plenarsaal rufen, wenn man etwas doof findet – und den Ablauf des Tages.

Erste Station war ein Vortragsraum, wo uns ein weiterer Mitarbeiter mit einer Präsentation über das Landtagsgebäude, dessen Geschichte, das Land Hessen, Wahlbezirke, Wahlen, Verwendung von Steuergeldern, usw. bekamen. Dies dauerte etwa 45 Minuten und wir wurden immer mal wieder zu einzelnen Punkten befragt.

Anschließend folgte eine öffentliche Plenarsitzung, in der die Politiker über G8/G9 und die Einführung des Islamunterrichts an Grundschulen in heftigen Tönen diskutieren. Dabei wurde dazwischen gequatscht, gerufen, Zeitung gelesen, rumgelaufen und im Internet gesurft – so hatten wir uns das irgendwie nicht vorgestellt. Es war teilweise chaotischer als in der Schule. Der Landtagspräsident musste immer wieder Abgeordnete ermahnen und machte scherzhafte Bemerkungen über Einzelne und ganze Fraktionen, wenn die sich nicht an die Ordnung hielten. Die Debatten am Rednerpult waren tatsächlich interessant, da es, wie schon gesagt, um G8/G9 und den Islamunterricht ging. Leider waren nicht alle Redner gut zu hören und wir mussten mitten in der Debatte über den Islamunterricht zu unserer nächsten Station aufbrechen. Auffällig bei den Vorträgen war aber, dass einige Abgeordnete völlig frei redeten, andere sich fest an ihre Notizen hielten. Und einige machten ihre Redebeiträge zu einer Show, um andere Anwesende zu ärgern.

Bei der Sitzung kamen dann doch einige Fragen auf, auf die wir natürlich eine möglichst genaue und ehrliche Antwort wollten und diese haben wir dann direkt im Anschluss auch bekommen. Die CDU-Abgeordnete Astrid Wallmann nahm sich für ein persönliches Gespräch mit uns Zeit. Sie selbst hat viele interessante Aufgaben im Landtag, zum Beispiel sitzt sie mit ihren 33 Jahren schon im Ältestenrat. Sie berichtete sowohl von zahlreichen weiteren Aufgaben als auch von einigen anderen Erfahrungen, die sie im Landtag bis jetzt sammeln durfte. Und natürlich erzählte sie, wie sie überhaupt Politikerin geworden ist und dass sie in der Schule überhaupt nicht frei reden konnte, sodass ihre Lehrer total überrascht waren, als sie Abgeordnete wurde. Frau Wallmann nahm sich über eine Stunde für uns Zeit und ging ausführlich auf alle Fragen ein, die wir ihr stellten. Sie erzählte uns, was ein Abgeordneter alles zu tun hat, dass sie mehr aus Zufall als geplant Politikerin wurde und erklärte und das von uns beobachtet Verhalten im Plenarsaal.

Nun folgte noch ein geschichtlicher bzw. kultureller Teil – die Stadtschlossführung. Welcher Raum hatte früher welchen Zweck, was ist original erhalten geblieben, welchen Wert haben gewisse Sachen im Schloss, was muss als nächstes erneuert werden.

Besonders interessant war an diesem Tag mal hinter die Kulissen zu schauen und die Abgeordneten bei ihrer Arbeit etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, wobei wir interessante Entdeckungen machten: so gab es etwa zahlreiche Kommentare während der Plenarsitzung, die wirklich schon strikt unter die Gürtellinie gingen; dass einige Abgeordnete sich lieber mit Handys, Tablets, Zeitungen etc. die Zeit vertreiben, als der Sitzung zu folgen; dass die meisten Themen solcher Sitzungen schon davor mehrfach diskutiert und beschlossen wurden, bis es zur öffentlichen Sitzung kommt; dass manche die Sitzung nutzen um andere Arbeiten zu erledigen und vieles mehr. Einiges stellt man sich doch anders vor, als es dann in Wirklichkeit ist. Besonders überraschend fanden wir auch einige Antworten von Frau Wallmann, die von eher persönlichen Fragen (Gehalt, Privat-/Familienleben…) bis hin zu politischen Fragen (Wie stehen sie zur Frauenquote? Sind sie für G8 oder G9? …) offen und ehrlich beantwortet wurden.

Wir würden den Besuch im Landtag auf jeden Fall weiter empfehlen, da man sehr viel an diesem Tag mitnimmt und auf jede noch so schwierig erscheinende Frage eine Antwort bekommt. Man hat die Chance, mitten drin zu sein und alles hautnah zu erleben und die Politik am Schluss mit ganz anderen Augen zu sehen…

Vanessa Wahl & Annalena Schwabe