Der Gott des Gemetzels

Le dieu du camage (französischer Originaltitel) von Yasmina Reza
Theateraufführung, 08./09. Juni 2009 an der Diltheyschule

Schüler der Oberstufe (13. Klasse) spielten am 08. und 09.06.09 im Atrium der Diltheyschule das Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza.

Das Publikum, welches das ca. 70-minütige Spektakel äußerst genossen hat, zeigte dies durch frenetischen Beifall. Die Schauspieler quittierten dies durch eine Menge Vorhänge und genossen ihren Erfolg sichtlich.
Neben den internen Gästen (Freunde, Familie und Lehrern) waren auch externe Kunstinteressierte zugegen.
Das Stück wurde ohne Pause aufgeführt, so dass die fleischlichen Gelüste jeweils vor und nach der Aufführung gestillt werden konnten.
In dem voll besetztem Atrium herrschte eine gute Atmosphäre und alle waren gespannt auf den Beginn des Stücks.
Der Anfang war überraschend und von daher wurden die Zuschauer abrupt in das Geschen auf der Bühne einbezogen. Es dauerte eine Weile bis man die Zusammenhänge verstehen konnte, was jedoch die Aufmerksamkeit der Zuschauer anspornte. Nach kurzer Zeit war jeder mitten im Geschehen.
Die Interpretation des Stückes bezog lokale Elemente mit ein, z. B. spielte das Stück nicht auf dem Originalschauplatz in Paris als vielmehr in Wiesbaden – und wurde seitens der Interpreten reichlich mit witzigen Einlagen garniert, was von den Zuschauern mit heftigsten Beifall quittiert wurde.

Die im Original eher konservative Geschichte wurde auf das Altersniveau der Darsteller projiziert, was naturgemäß das Interesse der Zuschauer weckte.
Das Ensemble bestand aus vier Schauspielern (Desiree Katzenberger, Julian Esslen, Nora Kirschhöfer und Gregor Schuster, alle in der 13. Klasse).
Zwei Ehepaare trafen sich auf Grund eines Konflikts der jeweiligen Söhne zu einem Gespräch.
Jeder der vier Schauspieler verkörperte einen Charakterzug, der im Laufe des Stücks immer deutlicher zum Ausdruck kam und wider erwartend zu neuen Konflikten zwischen den jeweiligen Personen führte.
Ferdinand, der Sohn von Michel und Véronique, wurde von Bruno, dem Sohn des anderen Ehepaares, Annette und Alain „entstellt“, bzw. geschlagen.
Jeder der Beteiligten vertrat eine eigene Auffassung über den Geschehensablauf und versuchte jeweils den eigenen Sohn zu verteidigen. Auch unterhalt der jeweiligen Elternpaare wurden unterschiedliche Weltanschauungen propagiert, wobei immer wieder die Frage der Gewalt diskutiert wurde.
Nach dem anfänglichen Smalltalk, wer nun Schuld habe an dem Geschehen, änderten sich die Themen, die keinen Bezug mehr zum eigentlichen Thema hatten, jedoch immer intimer wurden und das Vorleben der einzelnen Beteiligten aufdeckten. Sie sprachen über Persönliches und gerieten in heftige Streitereien, die auch bedingt durch die verschiedenen Charaktere, wie auch Meinungen entstanden. Sie stellten sich zwischendurch, aufgrund neu entdeckter Gemeinsamkeiten, auf die Seite des anderen Ehepaares, was sich aber im weiteren Verlauf negativ auf ihre Beziehung auswirkte.
Die Streitigkeiten spitzen sich hier und da zu einem rhetorischen Feuerwerk zu, was die Zuschauer in ihren Bann zog. Die Dialoge waren äußerst kurzweilig, teilweise spritzig.

Veronique, Brunos Mutter und Michels Ehefrau, verkörperte eine aufbrausende, eher hochnäsigste und empfindliche Dame aus der Oberschicht, die bei jeder Kleinigkeit explosionsartig – gerade zu hysterisch – aus sich heraus ging und nicht davor halt machte, Gegenstände durch die Gegend zu werfen.
Michel, Brunos Vater, war ein etwas schüchternerer als Weichling geltender Großhandelverkäufer und wollte härter wirken als er ist.
Annette, Ferdinands Mutter leidet unter ihrem ignoranten Ehemann Alain, der an nichts anderes denkt als an seine Arbeit. Sie haben kein Privatleben mehr, da er fast jede freie Minute an seinem Geschäftshandy hängt. Sie ist sehr empfindlich was das Familienleben betrifft und leidet unter stressbedingten Übelkeitsanfällen. Er wiederum ist an dem Geschehen nicht sonderlich interessiert. Er bekommt Wutanfälle und ist nicht in der Lage ein vernünftiges Gespräch zu führen ohne Zwischenstörungen durch sein Handy.

Im Ergebnis ein empfehlenswertes Spektakel um das Thema Gewalt was anschaulich unter Beweis stellt, dass man auf der Dilthey neben dem üblichen Lehrstoff auch das Zeug zu einem guten Schauspieler erhält.