Dialog der Religionen in der Diltheyschule

Dialog der Religionen: ein altes Thema, brandaktuell und politisch brisant. Wie nahe sich Religionen sein können, darauf wiesen Teilnehmer an der Podiumsdiskussion in der Diltheyschule hin. Vertreter aus Buddhismus, Islam, Judentum, Christentum und Bahai-Religion diskutierten im Atrium der Diltheyschule, wie sich die Pflege des interreligiösen Dialogs in Zukunft gestalten könne. Was verbindet die Religionen, was unterscheidet sie voneinander? Gibt es in den Religionen einen Grundkonsens verbindender Werte, Maßstäbe und Lebenseinstellungen? Wie kann es unter den Religionen zu einer spirituellen Erneuerung kommen, die die Menschheit so dringend nötig hat?

Sollte nicht seit der Ringparabel in Lessings ‚Nathan der Weise‘, an der Diltheyschule gespielt von den Schülern Lukas Eckl (Sultan Saladin) und Robert Arck (Nathan der Weise), feststehen, dass keine Religion im Besitz der einen Wahrheit sei? Judentum, Christentum, Islam: als Kinder geborgen im Schoße des Glaubensvaters Abraham. Und welche Rolle spielen Buddhismus und Bahai-Religion?

Gott sei einer, betonte Dr. Nawid Peseschkian von der Bahai-Religion, und Gott gebe den verschiedenen Religionen die Strahlkraft. Das Licht erscheine in jeder Religion nur in einer jeweils anders geformten Lampe, so führte Yoshiharu Matsuno, der Buddhist in der gesprächsfreudigen Runde, das Bild weiter. Buddha habe es aber vermieden, überhaupt von Gott zu sprechen. So sei der Buddhismus von der Deutung der Menschlichkeit her zum Brückenbauen zu anderen Religionen besonders geeignet. Dr. Waldmann vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Rheinland-Pfalz trat zu viel Harmonisierungswünschen entgegen: Faszinierend, so Waldmann, sei im interreligiösen Gespräch gerade das Entdecken markanter Unterschiede der Religionen. Klaus-Peter Idel, evangelischer Pfarrer und Vertreter der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Wiesbaden, wies auf die Dringlichkeit des Miteinanders zwischen Christen und Juden und überhaupt auf die Toleranz unter den Religionen hin.

Von Toleranz, Mitmenschlichkeit und gegenseitigem Verständnis sei die Arbeit des Frankfurter Rates der Religionen geprägt, merkte Professor Valentin, Islambeauftragter des Bistums Limburg und Direktor der Katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt, in seinem einleitenden Vortrag an. Die Beschäftigung mit gesellschaftlichen und politischen Themen in der Stadt gehöre zu den maßgebenden Aufgaben des Rates, so Valentin, der sich als Mitglied dieses Gremiums auswies.

Im Verlaufe des Diltheyforums wurde immer deutlicher, welcher Anstrengungen es bedarf, die 1993 in Chicago durch das Parlament der Weltreligionen mehrheitlich gebilligte Deklaration zum Weltethos in die Praxis umzusetzen. Getreu den Worten Hans Küngs bekennen sich darin die Religionen zu ihrer Verantwortung für eine bessere Weltordnung, die von einer Kultur der Gewaltlosigkeit und einem friedlichen Zusammenleben der Völker geprägt sein soll.

Anregend für Christen wirkte das von Stefan Herok, dem Referent für Schulpastoral im Bistum Limburg, genannte Beispiel aus dem Schulleben. Bei einem ökumenischen – Religionen verbindenden – Schulgottesdienst habe eine muslimische Schülerin mit innerem Feuer Gedanken ihrer Religion eingebracht. Etwas von dieser Wärme im Verhältnis zur eigenen Religion wünscht sich Herok für die christliche Jugend. In besagtem Schulgottesdienst gelang es, dass Christen und Muslime zwar nicht miteinander, aber doch beieinander beteten.

Über sein Engagement bei den Kontakten zu kommunalen Behörden und über das Thema ‚Integration‘ berichtete Said Nasri, der auf dem Podium die Arbeitsgemeinschaft islamischer Gemeinden in Wiesbaden vertrat. Im Sinne des interreligiösen Dialogs sprach Nasri von einer Öffnung der Moscheen in letzter Zeit.

Moderator Dr. Ludger Koreng verstand es, mit interessanten Impulsen die zahlreichen Religionsvertreter ins Gespräch zu ziehen. Im zweiten Teil des Abends öffnete sich die Gesprächsrunde den Publikumsfragen. Ein Schüler warf das Problem ‚Religionen und Gewalt‘ auf. Einsatz und Können zeigten Schülerinnen und Schüler aus dem Religionsunterricht Frau Stettners. Ihre Plakate zu den Weltreligionen stießen auf großes Interesse. Eine Interview-Präsentation trug zur Vertiefung der Thematik bei.

Der Abend gab Denkanstöße zur Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und ermutigte dazu, das Gespräch mit Mitgliedern anderer Religionen und Konfessionen zu suchen. Der interreligiöse Dialog sollte – nicht nur an der Diltheyschule – weiter gehen.