Macht es glücklich, gut zu handeln?

Professor Rainer Thiel aus Jena hält einen Vortrag zur Ethik des Aristoteles

Im Rahmen des Diltheyforums und als Vorgeschmack auf die Veranstaltungen zum 175. Jubiläum der Diltheyschule hielt Professor RainerThiel, Gräzist aus Jena und ehemaliger Diltheyschüler, einen Vortrag zur Ethik des Aristoteles und der Rolle, die das menschliche Glück im Rahmen dieses Konzeptes spielt.

Aristoteles‘ Ethik enthält dabei eine Reihe von Elementen, die auf den heutigen Hörer sehr menschenfreundlich und pragmatisch wirken. Lust und ethisches Handeln beispielsweise sieht der Philosoph, anders als Kant,  nicht als Gegensätze; das „Eudaimonium“ , das höchste menschliche Glück, ist Ziel nicht nur des Handelns des Einzelnen, sondern auch des Staates.

Die Tugend ist nach Aristoteles das Angemessene, das zwischen zwei Extremen liegt (wie beispielsweise die Tapferkeit zwischen der Feigheit und dem Draufgängertum) – auch dies ein sehr pragmatischer Ansatz. Davonrennen angesichts eines übermächtigen Gegners kann also durchaus eine tugendhafte, weil sinnvolle Reaktion sein.

Auch das Konzept des Unterrichts spielte eine Rolle : Da für Aristoteles das höchste Glück im Denken liegt, das seinen Sinn in sich selber trägt, kann es nicht die ausschließliche Aufgabe der Schule sein, den jungen Menschen verwertbare Kenntnisse im Sinne einer ausschließlichen Berufsorientierung mit auf den Weg zu geben, obwohl diese , wie Professor Thiel ausführte, von dem Philosophen keinesfalls gering geschätzt werden.

Das zahlreich erschienene Auditorium aus Menschen zwischen 16 und 80 Jahren folgte dem Vortrag interessiert und wollte in der anschließenden Diskussion vom Referenten noch vieles wissen, zum Beispiel, welche Antworten das aristotelische Konzept auf die Fragen unserer Zeit bereithält.

Der Abend zeigte das besondere Profil der Diltheyschule, die die Förderung der intellektuellen Neugier und die Beschäftigung mit großen Denkern zu ihren vordringlichen Aufgaben zählt, wieder einmal in schöner, lebendiger und herzwärmender Weise.

Claudia Oedekoven