Unter Lachen und Kreischen
Die Romfahrt der Klasse Eb 2013

Unter großem Lachen und Kreischen hob das Lufthansaflugzeug ab nach Rom, die aufgedrehte Klasse Eb der Diltheyschule an Bord.

Als der Flieger während des Landeanflugs auf Roms Flughafen Fiumicino die löchrige Wolkendecke durchbrach und sich das sonnige Italien mit dem glitzernden Meer am Horizont vor den Bullaugen erstreckte, brachen nicht nur heftige Diskussionen aus, ob der erspähte Fluss der Tiber sei und die winzig kleine Häuseransammlung am Boden schon Rom, auch das Eb-typische Gejohle und Gekreische bewegte sich wieder im oberen Dezibelbereich, bis die Landung glücklich erfolgt war. Angeführt von Herr Schubert und Frau Beljan verließen wir das Flugzeug und begaben uns zum Bus, der uns zum Hotel in Roms Innenstadt bringen sollte. In ebendiesem Bus hatten wir auch den ersten Kontakt mit dem, nun ja, etwas „lebhafteren“ italienischen Fahrstil und hörten auch die lauten Hupgeräusche, von denen wir damals noch nicht wussten, dass sie uns spät abends und früh morgens am Schlafen hindern würden. Im Hotel angekommen, gab es zuerst einmal die üblichen Startschwierigkeiten („Warum haben wir nur ein Dreierzimmer, obwohl wir zu viert sind?!“ „Wo zur Hölle ist unser Schlüssel?!“). Doch alle Probleme konnten überwunden werden, uns so trafen wir uns nachmittags vor dem Hotel zur ersten von vielen Stadterkundungen Roms. Rom, die ewige Stadt! Leicht bekleidet zogen wir los, hin zum nahen Hauptbahnhof „Termini“, schon jetzt allein durch die angenehme Temperatur und die Sonne begeistert. Mit der Metro ging’s zur „Spagna“, zur spanischen Treppe, die ihren Namen von der nahen spanischen Botschaft hat. Herr Schubert, ortskundig durch wiederholte Klassenfahrten, zeigte uns einige Stellen rund um die Spagna, von denen man einen guten Ausblick auf diverse Kuppeln, Türme und Paläste hat oder auch einfach nur Wasser an den öffentlichen Leitungen zapfen kann. Weiter ging’s zur Piazza del Popolo, einem von vielen Plätzen mit Obelisk oder Stele in der Mitte. Dort entließen uns die Lehrer dann auch, sodass wir in kleinen Gruppen nach guten und günstigen Lokalen suchen konnten. Obwohl einige wohl lange umherirrten, bis sie etwas fanden, hatten fast alle Pizza und dann Eis gegessen, als wir uns an der Spagna wieder fanden. Hier trafen wir auch auf Straßenhändler, die leuchtende Fluggeräte oder quietschende Glibberdinger verkauften. Besonders erheiternd waren diejenigen, die kurze deutsche Texte vortrugen, die sie wahrscheinlich von Touris wie uns gelernt haben. Freundliche Varianten wie „Wasch laberscht du?“ waren ebenso dabei wie halb gesungene: „Arschloch, Wichser, Hurensohn, deine Mutter hatte schon, Mongo, Mongo!“ Selbstverständlich konnten wir uns vor Lachen kaum halten. Dort am Fuße der Spagna leisteten wir auch unseren Beitrag zur Völkerverständigung und tanzten Macarena mit einer spanischen Schülergruppe. Da diese für irgendein Schulprojekt auch das Vaterunser in möglichst vielen Sprachen haben wollte, trugen wir die paar Zeilen unter vielem spanischen und deutschen Gelächter vor. Nach einer mehr oder weniger erholsamen Nacht traf uns der erste große Schock der Fahrt: Der Vorteil am Frühstück war, dass es direkt ans Zimmer gebracht wurde; der Nachteil war das Frühstück selbst. Ein Croissant wie geschmolzener Zucker, ein kleiner Joghurt sowie drei läppische Kekse – für viele das einzig Essbare am ganzen Menü – wurden zu genau einem Getränkbecherchen pro Person gereicht. Nach diesem kargen Mahl folgte der obligatorische Stadtrundgang, infolge dessen wir das Pantheon, die Piazza Navona (einen großen Marktplatz, auf dem hauptsächlich Aquarelle und Speedpaintings für Turis zum Verkauf stehen) und natürlich den Trevi-Brunnen besichtigten. (Als wir wieder auf dem Rückflug waren, erfuhren wir am Flughafen, dass sich einige Tage später ein italienischer Arbeitsloser im Brunnen den Bauch aufgeschlitzt hatte. Das trübte unsere Erinnerung an den wunderschönen Brunnen gewaltig.) Unsere Führung endete schließlich auf Roms Obstmarkt, wo die Verkäufer dann einen wilden Ansturm deutscher Schüler auf Obstsalatbecher und Äpfel erlebten. Irgendwie mussten wir uns ja mit Vitaminen versorgen, wenn wir schon beim Frühstück mangelernährt wurden. Die Nacht war möglicherweise noch schlimmer als die Erste, da wir nun wussten, welcher Lärm uns erwartete. Trotzdem war am nächsten Morgen ausnahmslos jeder gut gelaunt, denn heute ging’s zum Strand! Was gibt es Schöneres, als bei strahlendem Sonnenschein und Wärme im glühend heißen Sand zu faulenzen oder zu spielen, im – leider noch recht kalten – Meer zu baden und Eis zu schlecken, während zu Hause in Deutschland Familie und Freunde bei Temperaturen unter 10° C und Nieselregen drinnen hocken? Doch den Höhepunkt des Tages lieferte Herr Schubert mit seiner Striptease: unter dem Gejohle der ganzen Klasse zog sich auch unser Lehrer Hemd und Hose aus, um ins Meer zu gehen. Inkonsequenterweise blieb er jedoch nur gefühlte 20 Sekunden im Wasser… durch Anklicken vergrößert sich das Foto Am nächsten Tag stand dann die Papstaudienz auf dem Petersplatz an. Schon seit dem frühen Morgen waren Pilger aus der ganzen Welt gekommen, um möglichst gute Plätze zu belegen. Sobald der Papst in Reichweite ist, recken alle ihre Handys, Kameras und Tablets in die Höhe und der arme Mann gerät in ein echtes Blitzlichtgewitter. Der Sinn dahinter ist schwer zu verstehen: Dann hat man zwar ein Foto des Papstes, aber in Reallife hat man ihn wegen der vielen Arme und Geräte dann doch kaum gesehen… Eigentlich wollten wir nach dem Ende der Audienz den Petersdom besuchen, doch leider hatte die katholische Kirche in ihrer göttlichen Weisheit beschlossen, den Dom heute zu schließen. Stattdessen wurden wir von unserer Stadtführerin auch in weniger bekannte Viertel Roms geführt, aber zuvor mussten wir noch einen der sieben Hügel Roms erklimmen, auf dessen Spitze am Denkmal Gianicolo ein Wahnsinnsausblick auf uns wartete. Der Abend verlief etwas anders als sonst, denn heute gingen wir alle gemeinsam in ein kleines Restaurant in der Nähe der Piazza Navona. Lange saß man dort beisammen, aß, trank (natürlich nur Alkoholfreies… hihi!) und schwätzte, bis dem Lokal die Speisen ausgingen. Nach dem Essen gingen einige ins Hotel zurück, um bis spät abends Karten zu spielen, andere stromerten noch durch das nächtliche Rom. Am Donnerstag kippte dann das bis dahin umwerfende Wetter; Es regnete und wurde merklich kühler. Trotzdem machten wir uns durch Pfützen und Rinnsale auf den Weg zum Colosseum, dem gigantischen Bauwerk am Fuße des Palatins, einem der Hügel Roms. Immerhin ist man im Innern des Gebäudes vor dem Regen etwas geschützt, aber wenn alles nass ist, ist es doch nicht so lustig. Dennoch ist das Colloseum zu jeder Wetterlage beeindruckend. Als wir dann das Colosseum verließen und hinüber zum Palatin und den Gärten über dem Forum Romanum liefen, hatte der Regen aufgehört, und so konnten wir in aller Ruhe auf den Spuren römischer Dichter im Grünen wandeln und Monumente wie den Titusbogen bewundern. Leider hatten wir wenig Zeit, da wir am letzten Tag noch den verpatzten Vatikanbesuch nachholen wollten. Im Petersdom führte uns der Zufall direkt in die Arme unserer Jahrgangskameraden aus der Ec. Das Talent von Schülern, sich immer und überall zu finden, ist unübertroffen. Und so machte man diese Domtour gemeinsam, tratschte über die Fahrt und klagte über die Hotels, bis man sich am Ausgang wieder trennte. Mit etwas Wehmut im Herzen gingen wir noch einmal Pasta oder Pizza essen, genossen noch ein letztes Mal den abendlichen Lärm der Stadt und kamen nur ungern ins Hotel zurück, wo doch nur Kofferpacken auf uns wartete…

Antje Mildenberger