Griechisch

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Griechisch – kein Thema, denkt sicher mancher von euch. Auf lebende Sprachen oder auf Mathe und Physik sollte man sich konzentrieren. Logo! Natürlich gehört Altgriechisch nicht zu den lebenden Sprachen, aber es ist bis heute sehr lebendig und begleitet uns so sehr, dass in den ersten Sätzen schon fünf interessante griechische Wörter auftauchen.

Griechisch ist eben doch ein Thema:Griechisch

Das Wort bezeichnet etwas Auf- oder Hingestelltes, besonders eine aufgestellte Behauptung oder ein Problem, das zu lösen ist.

Auch das umgangssprachliche logo (für logisch) ist echt griechisch.

Logos ist die griechische Bezeichnung für Berechnung, Vernunft, Lehre, Logik, Satz oder einfach Wort.

Konzentrieren bedeutet auf einen Mittelpunkt bringen. Zentrum, griechisch Kentron, heißt Stachel. Die Bedeutung Mittelpunkt kommt durch die Verwendung des Kentron als Zirkelspitze, um die herum der Kreis geschlagen wird.

Auch die beiden Schulfächer stammen von den Griechen.

Die Mathematik stammt vom griechischen mathmatikos, was lernbegierig oder einfach wissenschaftlich heißt. Man sieht, dies Wort hat eine Bedeutungsverengung erfahren, denn wir verwenden es nur noch für die Wissenschaft von Zahlen.

Die Physik schließlich kommt von Physis, das heißt Natur. Physik ist also Naturlehre.

Mathematik und Physik gelten heute selbstverständlich als wichtige und nützliche Fächer, während der Nutzen des Griechischen nicht jedem einsichtig ist. Dabei stehen die Griechen am Anfang unserer europäischen Kultur. Sie haben die Grundlagen für unsere Wissenschaften und Künste geschaffen. Ihre Begriffe prägen heute noch unser Denken. Die Frage der vorsokratischen Philosophen nach Ursprung und Einheit unserer vielfältigen Welt gilt auch noch für die moderne Physik, ebenso wie für die Philosophie die Frage des Sokrates nach dem höchsten Wert im menschlichen Leben. Ob Philosophie oder Politik, Mathematik oder Physik, Biologie oder Medizin, Poetik (Dichtkunst) oder Geschichtsschreibung, Kunst oder Architektur, Musik oder Theater – die Griechen haben zu alledem nicht nur die ersten Frage gestellt, sondern auch Antworten und Lösungen gefunden, mit denen sich auseinanderzusetzen auch heute noch lohnt.

Im Griechisch-Unterricht lernt ihr also manche Voraussetzungen zum Verständnis unserer heutigen Welt kennen. Damit bietet er faszinierende Ergänzungen zu anderen Fächern.

In Ergänzung zur modernen Atomphysik z.B. erfährt man etwas über die Anfänge der Atomtheorie (Atomon = Unteilbares), in Ergänzung der Freudschen und modernen Psychologie etwas über die Seelenlehre Platons mit der schon klassischen Dreiteilung der Seele.

Die Behandlung der verschiedenen Literaturgattungen im Deutsch-Unterricht findet die Ergänzung, wenn man die Ursprünge dieser Gattungen kennenlernt: das homerische Epos, die äolische Lyrik, das athenische Drama.

In Ergänzung zur Stilkunde im Kunst-Unterricht werden die verschiedenen Stilrichtungen der griechischen Kunst behandelt.

Bei alldem kann man erfahren, wie originell und zugleich schon ausgereift die Ideen und Problemlösungen der Griechen waren, aber natürlich auch, wie sehr unsere heutigen Probleme und Lösungen von denen der alten Griechen abweichen. Griechisch tritt also keinesfalls in Konkurrenz zu anderen Fächern, sondern ist deren schönste und interessanteste Ergänzung.

Hier zeigt sich auch, dass der Wert unserer schulischen Allgemeinbildung nicht in der fachlichen Vorbereitung auf den Beruf liegt – die kommt erst nach der Schule -, sondern darin, dass ihr als Schüler die Möglichkeit habt zu erfahren, wie man sich in und mit der Welt auseinanderzusetzen, Probleme und Aufgaben angehen und schließlich einen eigenen Standpunkt gewinnen kann.

Damit dies alles aber nicht nur theoretisch bleibt, unternehmen wir unsere Studienfahrten nach Griechenland oder Sizilien (Magna Graecia), auf denen ihr durch eigene Anschauung erleben könnt, wovon ihr im Unterricht gehört habt.

Der Griechisch-Unterricht ist übrigens weder sprachlich noch inhaltlich eine Wiederholung des Latein-Unterrichts. Von Anfang an laufen kulturkundlicher Sprach- und Lektüre-Unterricht zusammen. Das Lehrbuch bietet keine für das Erlernen der Grammatik konstruierten Einzelsätze, sondern schon von der ersten Lektion an gehaltvolle und in zunehmendem Maße originale Texte, für die all das gilt, was oben über das Faszinierende am Griechischen gesagt wurde. Das Alphabet lernt man in zwei Wochen. Ganze elf von den Großbuchstaben sind ohnehin mit dem Lateinischen identisch.

Nun wird mancher vielleicht sagen: Ist es nicht doch zu viel Mühe, noch eine alte Sprache zu lernen, noch einmal die ganze Formen- und Vokabelpaukerei auf sich zu nehmen? Dazu ist zu sagen: Je mehr Sprachen man lernt, desto schneller und leichter lernt man sie, weil es immer mehr Struktur- und Wortverwandtschaften gibt, auf die man zurückgreifen kann. Man findet manche Parallele zum Lateinischen, z.B. in der Verwendung der Partizipien. Im Satzbau ähnelt das Griechische eher dem Deutschen, mit dem es auch den bestimmten Artikel gemeinsam hat. – Außerdem sollte man noch folgendes bedenken: Eine weitere moderne Fremdsprache lässt sich auch später noch schnell lernen, am schnellsten im betreffenden Land selbst. Die Mühe und Zeit aber, die es kostet, Griechisch zu lernen, wird man später kaum noch aufwenden, es sei denn jemand entschließt sich plötzlich noch Archäologe, Theologe, Sprachwissenschaftler, Philosoph oder gar Griechischlehrer zu werden.

Aber ihr werdet vielleicht immer noch nicht überzeugt sein und sagen: Wir glauben ja gern, dass die Beschäftigung mit den alten Griechen faszinierend ist, aber man kann die Texte ebenso gut in Übersetzungen lesen. Dazu muss man doch kein Griechisch lernen. Wir meinen, dass dies ein Irrtum ist und wollen das an einem Beispiel zeigen:

Die berühmte Tragödie des Sophokles „Antigone“ beginnt mit dem folgenden Vers: (in lateinischer Umschrift)

O KOINON AVTADELFON ISMENES KARA

Dazu drei renommierte Übersetzer:

Hölderlin: Gemeinsamschwesterliches! O Ismenes Haupt!

Weinstock: Ismene, Schwesterherz, mir blutsverwandt,…

Schadewaldt: Gemeinsames, der eigenen Schwester, o Ismenes Haupt!

Die verständlichste und glatteste, die zugleich dem Text am wenigsten gerecht wird, ist die zweite Übersetzung. Am schwierigsten wiederzugeben ist das Wort AVTADELFOS: Es kann eigentlich nicht übersetzt werden. Das Wort ist aus zwei bekannten Bestandteilen zusammengesetzt. AVTOS heißt eigen, selbst. Ihr kennt es aus Wörtern wie Auto(mobil), Automat, Autogramm… ADELFOS heißt Geschwister. Aber das ist noch ungenau. Ihr kennt das Wort vom Delfin. Was hat nun ein Delfin mit einem Geschwister zu tun? Die Delfine haben ihren Namen nach ihrer Besonderheit im Reich der Fische bekommen. Sie sind Säugetiere, sagen wir. Die Griechen sagten, sie werden aus einem Mutterleib geboren. Das nämlich ist die Bedeutung des Wortes DELFYS – Gebärmutter, Mutterleib. So bedeutet ADELFOS eigentlich: der/die im Mutterleib sich Befindende. Wir müssten also, um genauer zu sein, dieses Wort mindestens mit ‚leibliches Geschwister‘ übersetzen. Sophokles verstärkt diese Bedeutung nur noch, indem er AVTOS davorsetzt: AVTADELFOS – in eben demselben Mutterleib Gewesene. Eine möglichst wörtliche Übersetzung dieses Verses müsste etwa lauten: O mir verbundenes, in demselben Mutterleib gewesenes Haupt der Ismene! (‚Haupt‘: Vom Kopf geht denken und wollen aus.) Antigone betont und beschwört in dieser Anrede also die ganz enge Verbundenheit mit ihrer Schwester Ismene. Warum sie diese so hervorhebt, wird erst im Verlauf des Prologs deutlich: Sie will ihre Schwester dazu bringen, gemeinsam mit ihr gegen das strenge Verbot des Herrscher den gefallenen Bruder zu beerdigen. Aber die Schwester weigert sich mitzumachen. Der Prolog, der mit der Beschwörung der engen Verbundenheit beginnt, endet in schroffer Trennung. Antigone will nichts mehr mit ihrer Schwester zu tun haben. Aus der Betonung der innigsten Gemeinsamkeit zu Beginn ist am Ende krasse Ablehnung und Entfremdung geworden. Eine solche Interpretation ist, wie man sieht, nur aus dem griechischem Text möglich. Um den Text wirklich auszuschöpfen, muss man ihn griechisch lesen. Dazu muss man Griechisch können, logo!

Martin Götting

Und hier die Sicht der „Betroffenen“:

Warum_Griechisch_lernen.pdf (153 KB)

Lehrkräfte des Faches

Flügge, Dr. Sabine (FÜ)

Koreng, Dr. Ludger (KR)

Menges, Barbara (MG)

Sarnowski, Claudia (SN)

Zierlein, Dr. Stephan (ZL)